Konzept
Ratsuchende sind einerseits die alten und kranken Menschen selbst und anderseits Familienangehörige, die zu Hause ihre hilfebedürftigen Partner oder Eltern pflegen, weil immer mehr alte Menschen ein Leben zu Hause dem Aufenthalt in einer Alten- oder Pflegeeinrichtung vorziehen, viele alte Menschen sich jedoch gezwungen sehen, in eine Alten- oder Pflegeeinrichtung zu ziehen, weil die ambulante Versorgung nicht ausreicht, Angehörige zwar bereit sind, ihre alt gewordenen Partner oder Eltern zu pflegen, diese Pflege sie aber langfristig in ihren zeitlichen, körperlichen und seelischen Möglichkeiten überfordert.
Die Tagespflegeeinrichtung nimmt hilfebedürftige Menschen tagsüber auf und bietet ihnen Kontakt mit anderen Menschen, Förderung, Pflege und rehabilitative Maßnahmen. Pflegende Angehörige werden dadurch entlastet bzw. – gerade durch die Tagespflege – erst in die Lage versetzt, die Pflege über einen längeren Zeitraum zu übernehmen. Tagespflegeeinrichtungen können Alten- oder Pflegeeinrichtungen nicht vollständig ersetzen. Die Bedingungen in einer Tagespflege können aber die Übersiedlung in eine Senioreneinrichtung häufig verzögern bzw. erst einmal vermeiden.
Tatsache ist, dass ca. 80 % der Menschen mit Demenz von ihren Angehörigen versorgt werden. Die Zahl der allein lebenden alten Menschen steigt und die Zahl der jüngeren Menschen nimmt ab. Somit verringert sich auch die Möglichkeit familiärer Betreuung alter kranker Menschen. Die familiären und nachbarschaftlichen Hilfsnetze werden schwächer und sind kein Tragegerüst mehr.
Die Tagespflege-Erfahrungen zeigen deutlich die Notwendigkeit und die Entlastungsmöglichkeiten solcher Einrichtungen für die Angehörigen. ⇖
Die Arbeit ist seit Bestehen des über 100-jährigen Werkes von der Überzeugung geprägt, dass jeder Mensch unendlich wertvoll ist, weil er ein geliebtes Geschöpf Gottes ist.
Verantwortlich für die Arbeit in den Bethanien-Einrichtungen ist der hauptamtliche Vorstand des Werkes, den der Verwaltungsrat beruft. Der Vorstand besteht aus dem Direktor/Vorstandsvorsitzenden und dem Geschäftsführer.
Das Diakonische Werk Bethanien e.V. ist Träger mehrerer Seniorenzentren und Ambulanter Pflegedienste, eines Fachseminars für Altenpflege, eines Krankenhauses sowie verschiedener Seelsorge-, Therapie- und Erholungseinrichtungen. ⇖
Das Seniorenzentrum besteht aus vier vollstätionären Pflegeheimen eingebettet in eine schöne Parklandschaft, die geprägt wird von altem Baumbestand. Hier sind ausgiebige Spaziergänge auch mit dem Rollstuhl möglich und zahlreiche Bänke laden zum Verweilen in der freien Natur ein.
Die Tagespflege soll eingerichtet werden in Haus Ahorn, einer modernen im Jahr 2001 bezogenen Senioreneinrichtung. Das 4-stöckige Haus beherbergt auf drei Etagen 85 Senioren und Seniorinnen vollstationärer Pflege und hat acht Kurzzeitpflegeplätze. Das obere Stockwerk wird durch unseren Heimbeatmungsbereich belegt. Im Souterrain dieses Hauses befinden sich ansprechende, für die Bedürfnisse von Tagespflegegästen bestens geeignete Räumlichkeiten. Neben einem großzügigen Wohn-/Aufenthaltsraum mit integrierter Wohnküche, zwei Ruheräumen und zwei behindertengerechten Duschen mit Toiletten haben die Tagesgäste die Möglichkeit, ihre Zeit im Garten (Südwestlage) zu verbringen. Der eigene Eingang mit großer Zufahrt ermöglicht es Gästen wie Besuchern, das Haus unabhängig vom restlichen Betrieb des Hauses zu betreten. ⇖
In der offenen Wohnküche finden hauswirtschaftliche aber auch kreative Aktivitäten ihren Platz. Der Küchenbereich ist gut ausgestattet mit allem, was man zum Kochen und Backen benötigt.
Für Tagesgäste, die sich zurückziehen möchten oder aber für das Mittagsschläfchen gibt es zwei Ruheräume, die mit Schlafsesseln oder/ und Betten ausgestattet werden. Zwei behindertengerechte Duschen und WC´s sind in die Räumlichkeiten integriert. Zur Einrichtung gehört ein abgeschlossener Gartenbereich, der mit Sitzgelegenheiten und Sonnenschirmen zum Verweilen und auch zu Aktivitäten einlädt. ⇖
Das Angebot der Tagespflegeeinrichtung ist für Menschen, die
- Hilfe bzw. Pflege brauchen
- an Orientierungsverlust bzw. dementiellen Erkrankungen leiden
- mit Behinderungen leben
und die dadurch
- nicht mehr allein bleiben bzw. sich nicht mehr selbst versorgen können/ wollen
- in ihrer Selbständigkeit durch rehabilitative und realitätsorientierende Maßnahmen unterstützt und gefördert werden können.
Es ist unerlässlich, die Angehörigen in ihren Pflegebemühungen dadurch zu unterstützen, dass die Pflegeverantwortung geteilt wird.
Die Tagespflegeeinrichtung will aber keine Einrichtung sein, in der man alte Menschen einfach „abgeben“ kann. Bedingung für die Aufnahme eines Gastes in die Tagespflege ist daher die Bereitschaft der Angehörigen, mit dem Betreuungspersonal kontinuierlich Kontakt zu halten (z. B. an einer Angehörigengruppe teilzunehmen oder sich in Einzelgesprächen mit der Leitung der Tagespflege über die Betreuung des Angehörigen auszutauschen).
Die Tagespflegeeinrichtung ist für 12 Besucherplätze konzipiert. Nach der ersten Anfrage findet ein Beratungsgespräch in den Tagespflegeräumen oder, wenn erwünscht, im häuslichen Umfeld statt.
Danach besteht für den hilfebedürftigen Menschen die Möglichkeit, die Tagespflege einen Tag lang probeweise zu besuchen. In dieser Zeit kann er, ebenso wie die Mitarbeiter/innen, überprüfen, ob die Tagespflege das angemessene Angebot für ihn darstellt.
Die Entscheidung über die definitive Aufnahme liegt bei dem Mitarbeiter/Innen-Team der Tagespflege: Der Tagespflegevertrag, der dann unterzeichnet wird, schreibt die Rechte und Pflichten des Gastes und der Einrichtung fest.
Wenn der Aufenthalt für den Gast selbst oder für die Gruppe wegen unerwarteter Veränderungen nicht mehr tragbar ist, hat die Tagespflegeeinrichtung das Recht, den Besuchervertrag notfalls auch fristlos kündigen.
Der Vorteil unserer Einrichtung besteht darin, dass sie an einen „Pool“ von Mitarbeitern aus der stationären Pflege angeschlossen ist. Dadurch ergibt sich eine größere Flexibilität auch im Falle von personellen Engpässen.
Die Leitung der Tagespflegeeinrichtung wird von Frau Ricarda Hanke übernommen. Sie besitzt seit 1993 die Qualifikation als Altenpflegerin und hat 1997 die Weiterbildung zur Leitung einer Wohn- und Pflegeeinheit erfolgreich abgeschlossen. Die stellvertretende Leitung wird von der Altenpflegerin Frau Agneta Meier wahrgenommen. Sie stellt sicher, dass das Prinzip der Bezugspflege gewährleistet ist, indem sie möglichst täglich am Tagesablauf in den Räumen der Tagespflege teilnimmt. ⇖
Schwere motorische Behinderungen wie z. B. Rollstuhlabhängigkeit stellen normalerweise kein Problem dar, das der Aufnahme im Wege stehen müsste. Ebenso ist Inkontinenz kein Hinderungsgrund. Sobald zwischen Personal und Gast eine Sprachregelung gefunden ist, die Peinlichkeits- und Schamgefühle überflüssig macht, lassen sich Inkontinenzprobleme oft schon mildern; außerdem werden bei Bedarf Kontinenztraining und spezielle Beckenbodengymnastik durchgeführt.
Das Tagespflegeteam legt großen Wert auf eine enge Zusammenarbeit mit den behandelnden Ärzten. Auch Besuche der Patienten in den Praxen ihrer Ärzte sind b.Bed. möglich; besonders begrüßenswert ist es allerdings, wenn umgekehrt die Ärzte ihre Patienten in der Tagespflege aufsuchen.
Mit dem gemeinsamen Frühstück beginnt der Tag. Das Mittagessen wird an Familientischen eingenommen. In dem Maß, wie sich unsere Gäste an der Vor- und Zubereitung beteiligen können und möchten, wird dies ermöglicht. Oder es werden kleinere Arbeiten im Garten durchgeführt, um auf diese Weise die Kompetenz und Koordinationsfähigkeit bei der Durchführung von Alltagsverrichtungen zu erhalten. Die Zubereitung des Essens und Beschäftigung im Garten fördert den Erhalt der Feinmotorik.
Des Weiteren werden Spiele angeboten, die das Gedächtnis fördern, es wird musiziert oder es werden Bewegungsübungen gemacht.
Nach dem gemeinsamen Mittagessen und der notwendigen Mittagsruhe wird gespielt, getanzt, erzählt, gefeiert usw. Es werden Spaziergänge unternommen und die Tagespflege-Gäste werden individuell gefördert.
Nach einem gemeinsamen Kaffeetrinken werden unsere Gäste wieder nach Hause in ihr gewohntes Umfeld gebracht. Ein von uns organisierter Fahrdienst kann auf Wunsch in Anspruch genommen werden. ⇖
Eine angemessene Betreuung der Tagesgäste wird durch die enge Zusammenarbeit von Pflegemitarbeitern und den Mitarbeitern des sozialen Dienstes gewährleistet. Das Konzept der ganzheitlichen Betreuung wird durch folgende Angebote in der Tagespflege verwirklicht:
- Einführung von festen, an der Biografie und Situation des Tagesgastes orientierten, Ritualen zur Unterstützung seiner „Beheimatung“ in der Tagespflegeeinrichtung
- tägliches seniorengerechtes und tagesgastbezogenes Bewegungsangebot, z. B. regelmäßige Spaziergänge im Park, Aufenthalt im Garten, Sitzgymnastik
- Spezielle Erinnerungspflege orientiert an der Biografie der Tagesgäste (Einsatz von „Erinnerungskisten“)
- 10-Minuten-Aktivierung
- Vorbereiten und Zubereiten von Mahlzeiten unter Einsatz individueller „Erinnerungsschlüssel“ (alte Kochbücher, -geschirr, -gerätschaften)
- kreatives Gestalten (Basteln, Malen, Handwerken zur Erhaltung der Sinne, der Feinmotorik und der Lebensfreude)
- musische Tätigkeiten (Singen, Tanzen, Seniorentänze, Sitztänze zur Aktivierung, Koordination verschiedener Fähigkeiten, Erhaltung der Lebensfreude)
- kulturelle Angebote (Filmvorführungen, Lesekreis)
- Gedächtnistraining mit Hilfe methodisch eingesetzter Übungsspiele z. B. zur Wortfindung, Erinnerung, Konzentration usw.
- Bezug zum aktuellen Tagesgeschehen (gemeinsame Zeitungslektüre, Diskussionen)
- Öffnung nach außen (Ausflüge, Veranstaltungsbesuche, möglichst auch in Verbindung mit Menschen außerhalb des Tagespflege)
- religiöse Angebote (Andachten, Besuche von Seelsorgern, Gottesdienste)
Die Angebote werden jeweils den Bedürfnissen und Möglichkeiten der gesamten Gruppe und des einzelnen Gastes so angepasst, dass dieser mit Lust und Lebensfreude dabei sein kann und das Wohlbefinden der Beteiligten gefördert wird.
Tagesgäste, die diese Angebote nicht wahrnehmen möchten, haben die Möglichkeit, in Garten, Wohnküche oder Wohn-/ Aufenthaltsraum ihren individuellen Interessen nachzugehen.
Supervision und evtl. Krisenintervention sind durch Mitarbeiter des Seniorenzentrums oder externe Fachkräfte gewährleistet. ⇖
In regelmäßigen Abständen kommen Friseur/-innen und Fußpfleger/-innen in die Einrichtung. Jedem Gast steht es frei, dieses Angebot zu nutzen. ⇖
Auch in der Tagespflegeeinrichtung gibt es regelmäßige Gesprächs- und Andachtsangebote durch unsere Diakonissen und Seelsorger.
Zudem besteht die Möglichkeit, an den Andachten und Gottesdiensten in der Kapelle teilzunehmen.
Katholische Gäste der Tagespflege können nach Wunsch auch an einer monatlich stattfindenden Messe in Haus Buche teilnehmen. ⇖
Nur so kann ein allein lebender hilfebedürftiger Mensch in die Lage versetzt werden, die teilstationäre Einrichtung der Tagespflege in Anspruch zu nehmen. Auch für die betreuende Familie ist es möglich, neben der Tagespflege ambulante Dienste in Anspruch zu nehmen oder Kurzzeitpflege, z.B. wenn sie während ihres Urlaubs eine Verhinderungspflege für ihren hilfebedürftigen Angehörigen braucht. ⇖
Unser Ziel für die uns anvertrauten Menschen besteht in der Erhaltung oder Wiedergewinnung einer möglichst selbständigen Lebensführung innerhalb der Gemeinschaft mit anderen Menschen.
Durch unsere Arbeit wollen wir die Lebensqualität der uns anvertrauten alten und kranken Menschen fördern und erhalten und ihnen helfen, solange wie möglich in ihrer eigenen Wohnung und familiären Umgebung leben zu können. Wir berücksichtigen die Lebensgeschichte, die Persönlichkeit, die Selbstbestimmung und die Bedürfnisse und Wünsche des Tagesgastes. Wir sehen den Tagesgast als Einheit von Körper, Seele und Geist. In einer von Geborgenheit, Vertrauen und Sicherheit geprägten Atmosphäre wollen wir durch optimale Pflege und Betreuung zur Zufriedenheit „unserer “ Tagesgäste beitragen. ⇖
Zur Erhaltung der Selbständigkeit und zur Verringerung der Abhängigkeit des Tagesgastes berücksichtigen und fördern wir mit unseren täglichen Maßnahmen die Fähigkeiten des Einzelnen. Noch vorhandene Ressourcen versuchen wir ständig in unsere Arbeit mit einzubeziehen.
Zur Sicherung einer optimalen Pflege- und Betreuungsqualität arbeiten wir einerseits anhand einer individuellen, auf jeden Tagesgast abgestimmten und an seiner Biografie und seinen Interessen orientierten Pflege- und Betreuungsplanung und -dokumentation und andererseits nach allgemein anerkannten Pflege- und Betreuungsstandards.
Weil wir der Überzeugung sind, dass ein Mensch in verschiedenen Lebenssituationen unterschiedliche Bedürfnisse entwickelt, arbeiten wir nach dem Pflegemodell von M. Krohwinkel anhand von 13 Aktivitäten und existentiellen Erfahrungen des Lebens (AEDL). ⇖
Interne Qualitätssicherung erfolgt im Sinne einer laufenden Selbstkontrolle durch die Festlegung von Pflege- und Betreuungsstandards und regelmäßigen Pflegevisiten zur Überprüfung der Kundenzufriedenheit, zur Evaluation der Pflegeziele sowie der gegenseitigen Beratung.
Für die Weiterentwicklung der Pflege und Betreuung gibt es zudem verschiedene Arbeitsgruppen, bestehend aus Mitarbeitern/-innen verschiedener Fachbereiche.
Externe Qualitätssicherung findet durch Kontrollen prüfender Behörden z.B. des Gesundheitsamtes statt. Wir nehmen regelmäßig an Arbeitstagungen unseres Spitzenverbandes (Diakonisches Werk RWL) teil. Hier werden gesetzliche und qualitätsfördernde Veränderungen besprochen. Zudem ist das Seniorenzentrum des Diakonischen Werkes Bethanien in Solingen im Jahre 2004 nach DIN ISO 9001:2000 zertifiziert und im Jahr 2009 nach ISO+. Wir werden auch die Zertifizierung der Tagespflegeeinrichtung anstreben. ⇖
Es existiert eine einheitliche computergestützte Dokumentation für den gesamten Pflege- und Betreuungsprozess. Die Pflegedokumentation wird kontinuierlich evaluiert und weiterentwickelt. Dieses Vorgehen werden wir auch in der Tagespflegeeinrichtung anwenden. ⇖